Bad Orb (...). Austropop und österreichische Volksmusik: Zwei Abende, prall gefüllt mit Kulinarik und Musik, bestimmen den Jahresauftakt der Kerzenscheinkonzerte in der Bad Orber Konzerthalle. „Koi Limit“, das Trio mit Ralph an der Steirischen Harmonika, Baschi an der Gitarre und Nici am Bariton, präsentiert zwei „Steirische Abende“ in Folge. Das heisst: „Hörgenuss hautnah“, wie es das Motto der Veranstaltungsreihe ist. Bedeutet: Volkstümliche Musik, an der nicht nur die Gäste, sondern erkennbar auch Gastgeber Danyel Monego, Caterer und Veranstalter von der WunderBAR Eventgastronomie, ihren Spaß haben. Die Kombination aus Volksmusik mit ihren eher traditionellen Themen und der Pop-und Rockmusik mit österreichischem Dialekt kommt an beiden Abenden im ausverkauften Foyer bestens an: Da wird geklatscht und geschunkelt, gegrölt und gepfiffen, selbst getanzt. Und das, obwohl die Band überhaupt nicht aus Österreich kommt, sondern ihre Heimat „in der Nähe von Graz, südlich von Stuttgart“ hat.
Anders als Monego selbst, dessen österreichische Wurzeln („I bin a hoiber Steirer. Steirer san von kerniger Natur.“) an den beiden Abenden mehrfach zum Thema werden: Da ist zum einen Vater Franz, der sich unter die Gästeschar mischt und damit den Prozentsatz der österreichischen Gäste am Samstag um 100 Prozent erhöht. Mehr sind es am Freitag, an dem zumindest zwei Grazer Gäste mit dabei sind, die nicht nur die Band, sondern auch die Auftritte des Gastgebers feiern, der mit Fendrichs „I am from Austria“ und „Steirermen san very good“ (Stoakogler) abräumt. Keine Viertelstunde ist vergangen, schon sind die ersten Gäste am Mitsingen, Klatschen, Feiern. „Der könnt des heut auch machen“, sind sich deshalb die drei Musiker von „Koi Limit“ einig, als sie schließlich die Bühne entern. Monego allerdings muss ablehnen, sowohl als Moderator als auch als Fahrer. Er hat genug zu tun, Kasnocken, Kaspressknödel und Steirische Brettljausen mit seinem Team vorzubereiten, Grüne Veltiner und Moric22 zu reichen, Stamperl einzugießen.
„Voll drauf los“, mit dieser fetzigen Polka für die steirische Harmonika, geht es mit dem zweieinhalbstündigen Programm, das die drei charmanten Musiker mit Hingabe und Humor zelebrieren. Sie versprechen schon eingangs in schwäbischem Zungenschlag: „Bei uns ist jeder Ton live, wir könnten auch ohne Anlage spielen.“ Ein Programm, das sich auszahlt: Das Trio kann in seinem Portfolio auch auf Engagements im Ausland bis zum Oktoberfest London, Oktoberfest Blumenau in Brasilien und dem Indian Wine Festival in Mumbai vorweisen. Zweifelhaft allerdings, ob sie dort auf so viele textsichere Gäste stoßen, wie am zurückliegenden Wochenende in der Bad Orber Konzerthalle: „Grüne Tannen“ von den Schürzenjägern, „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“, das „Kufsteinlied“ und „Nix Amore“: Wer die Texte nicht komplett auswendig kann – und das sind die Wenigsten -, findet auf den Tischen ein paar ausgedruckte Texte vor. In der Pause gibt es Alpenländisches von STS und Ambros aus der Konserve, was zu dem Gefühl beiträgt, das eine Besucherin trefflich auf den Punkt bringt: „Ich komme mir vor wie im Urlaub.“ Ein Gefühl, das sich beim „Alphorn-Zauber“, mit dem der zweite Programmteil von Nici unter großem Publikumsjubel eingeleitet wird, verstärkt haben dürfte.
Als Reminiszenz an die Faschingszeit könnten die leicht zotigen Scherze verstanden werden, die Schwiegermüttern, Genitalien und Beziehungen gewidmet sind. Auf die Lachnerven zielen auch das „Pfurzlied“ mit „Nici am Solo-Pfurz“ (auch als Bariton bekannt) und das Lied zu Annemaries fünf Söhnen. „Auf und nieder“ geht es zwischendurch, das „Prosit der Gemütlichkeit“ erklingt ein halbes Dutzend Male, „Du entschuldige“ tönt aus Dutzenden Kehlen, „Die Fischerin vom Bodensee“ aus noch mehr. Dass die Musiker nicht nur ihr Handwerk verstehen, sondern auch den Kontakt zum Publikum wahren: Nicht nur daran erkennbar, dass Wally zum Dank für ihren Besuch an beiden Abenden eine CD „Faschd Live“ mit Unterschriften und Herzchen überreicht bekommt. Charmant und augenzwinkernd, wie das Publikum das Trio im Laufe der beiden Abende zu schätzen lernt. Dass für die drei Männer, die seit 2008 gemeinsam als „Koi Limit“ auf der Bühne stehen, der Spaß am Musizieren immer noch im Vordergrund steht, merken die Gäste auch daran, wie spontan weitere Musiker ins Programm eingebunden werden: Da erklingt „Peters Pausen-Polka“, zu der Peter Schweigert – ebenfalls Musiker und in Monegos Team aktiv – mit sein „Zwei-Löffel-Instrument“ auf die Bühne geholt wird.
Und natürlich am Schluss, zu dem auch der Gastgeber und erneut Peter Schweigert mit auf der Bühne stehen: Bei „Sierra Madre“ geht es beim entzückten Publikum nicht mehr um die Schönheit des Gesangs, sondern um die Hingabe: Lautstark wird mitgesungen, die Plastikkerzen vom Tisch werden geschwenkt, es gibt stürmischen Applaus. Und ein Versprechen von Monego: „Es war nicht das letzte Mal.“ Oder wie es in „Die Sterne am Himmel“ heisst: „Drum sag „auf Wiedersehen“, und bitte nicht „lebwohl“.“